01.10.2019 Auswirkungen von Hitzewellen: Zunahme von Infektionskrankheiten

Studie. Der Klimawandel und die Hitzesommer wirken sich auf Erkrankungen und Spitaleintritte aus: mehr Fälle von Infektionskrankheiten, Erkrankungen des Urogenitalsystems sowie des Verdauungssystems, Grippe und Lungenentzündungen. Dies zeigen die neuesten Studienergebnisse des Schweizerischen Tropen- und Public Health-Institut und der Universität Basel.

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Dass viele Menschen unter grosser Hitze leiden ist bekannt. Hohe Temperaturen beeinträchtigen unsere Leistungsfähigkeit und unsere Produktivität. Die negativen Auswirkungen von Hitze auf unsere Gesundheit nimmt mit zunehmenden Temperaturen stark zu. Das Risiko für temperaturbedingte negative Gesundheitsauswirkungen ist in der Schweiz vor allem ab Temperaturen von 30 Grad Celsius erheblich. Und das Todesfallrisiko nimmt mit jedem Grad zu. In der Schweiz starben während des Hitzesommers 2015 (Juni bis August) rund 800 Personen mehr als in einem normalen Jahr zu erwarten gewesen wäre. Dies entspricht einer Zusatzsterblichkeit von 5,4 %.

Hitzewellen erhöhen Notfall-Spitaleintritte
Wie gefährlich eine Hitzewelle wirklich sein kann, wurde nun zum ersten Mal wissenschaftlich für die Schweiz untersucht. Der Hitzesommer 2015 (nach 2003 der zweitheisseste Sommer der Schweiz seit Messbeginn) hat zu über 2700 zusätzlichen Notfall-Spitaleintritten geführt. Betroffen waren vor allem ältere Personen und die Bevölkerung in den heissesten Regionen im Tessin und im Raum Genfersee.

Die neueste Studie des Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Institut und der Universität Basel bringt für die Ausarbeitung von Präventionsmassnahmen weitere wichtige und überraschende Erkenntnisse zutage. So waren die häufigsten Ursachen für die zusätzlichen Notfall-Spitaleintritte: Infektionskrankheiten, Erkrankungen des Urogenitalsystems sowie des Verdauungssystems, Grippe und Lungenentzündungen.

«Diese Ursachen erstaunen, denn bei hitzebedingten Todesfällen spielen Herzkreislauf- und Atemwegs-Erkrankungen die Hauptrolle», so Martina Ragettli, Wissenschaftlerin am Swiss TPH und Leiterin der Studie. «Die schnellere Verbreitung der Viren und Bakterien bei hohen Temperaturen scheint somit für Spitaleintritte einen wichtigen Einfluss zu haben».

Hitzeaktionspläne helfen
Die kantonalen Gesundheitsbehörden in der Schweiz haben seit dem Rekordsommer 2003 verschiedene Massnahmen zum Schutz der Bevölkerung vor extremer Hitze implementiert. Die Hitzeaktionspläne der Kantone regeln die Organisation und Umsetzung von Massnahmen zur Prävention von hitzebedingter Todesfälle und Erkrankungen. Zu einer erfolgreichen Prävention gehört auch die Information der Bevölkerung über mögliche Gesundheitseffekte und die richtige Verhaltensweisen während heisser Tage. Künftig sollen nun die Aktionspläne entsprechend den Studienresultaten erweitert werden. So sollen sie zusätzlich auch Empfehlungen betreffend infektiösen und parasitären Erkrankungen aufnehmen.

Anpassung an den Klimawandel
Gemäss Klimamodellen werden Hitzewellen an Dauer, Häufigkeit und Intensität bis zum Ende des Jahrhunderts zunehmen. Der Klimawandel und seine Folgen auf die Gesundheit sind deshalb stets zentrale Herausforderung. Und Massnahmen zur Prävention von hitzebedingten gesundheitlichen Schäden und Todesfällen bilden dabei eine wichtige Basis. Das Bundesamt für Gesundheit BAG ist im Rahmen des Nationalen Aktionsplans «Anpassung an den Klimawandel» zuständig für die Verbreitung von Empfehlungen zum Schutz vor Hitze. «Die neuen Studienergebnisse des Swiss TPH sind eine wichtige Ergänzung, damit wir unseren Auftrag wahrnehmen können», so Esther Walter, die zuständige Fachperson beim BAG.

Quelle: Swiss TPH

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Esther Walter
Sektion Nationale Gesundheitspolitik

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