21.01.2020 Die Projekte auf die Bedürfnisse der Schulen abstimmen

Bildung. Mittlerweile gibt es eine Vielzahl von Angeboten mit Fokus auf Gesundheitsförderung und Prävention in der Schule. Um erfolgreich und nachhaltig zu sein, ist es wichtig, dass sich diese an den sprachregionalen Lehrplänen und an den Bedürfnissen der Schulen orientieren.

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TODO CHRISTIAN

Positive Erlebnisse im Turnunterricht sind wichtig, da dies die Chance erhöht, dass eine Person auch später im Leben weiterhin aktiv Sport treibt und dies wiederum das Risiko für Übergewicht senkt.

Bildung hat via Lebensbedingungen, Lebensstil und Gesundheitskompetenz einen starken Einfluss auf die Gesundheit. Und mit höherer Gesundheit steigt die Lebenserwartung.

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Bildung hat via Lebensbedingungen, Lebensstil und Gesundheitskompetenz einen starken Einfluss auf die Gesundheit. Und mit höherer Gesundheit steigt die Lebenserwartung.

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Bildung hat einen starken Einfluss auf die Gesundheit. Personen mit nur einem obligatorischen Schulabschluss haben im Alter eine deutliche schlechtere Gesundheit und eine um bis zu 5 Jahre tiefere Lebenserwartung als Personen mit einem Tertiärabschluss. Die schlechtesten Aussichten haben Personen ohne obligatorischen Schulabschluss. Das sind in der Schweiz immerhin fast zehn Prozent der 25-Jährigen. Bei ihnen ist die Gefahr gross, in schlecht bezahlten, prekären Jobs zu landen oder gar arbeitslos zu werden, was die Gesundheit negativ beeinflusst.

Entsprechend wichtig ist es, dass Schülerinnen und Schüler eine gute Bildung erhalten und in der Schule lernen, wie sie sich selbst neues Wissen und neue Kompetenzen ausserhalb der Schule aneignen können. Dies wird sich positiv auf ihre Gesundheit im Erwachsenenalter auswirken. Die obligatorische Schulzeit ist die einzige Phase, in der wir (fast) alle Kinder und Jugendlichen erreichen können. Es gibt zwar kein Schulfach «Gesundheit», aber das Thema kommt in vielen Fächern vor. Zum Thema «Nachhaltige Entwicklung» steht im Lehrplan 21: «Gesundheit umfasst das physische, psychische und soziale Wohlbefinden des Menschen. Die Schülerinnen und Schüler lernen zunehmend, Mitverantwortung für ihr Wohlbefinden und ihre Gesundheit zu übernehmen.» Gemäss Konzept der fächerübergreifenden Themen sind die verschiedenen Aspekte in die einzelnen Fachberichtslehrpläne eingearbeitet, insbesondere in den Fachbereich Natur, Mensch, Gesellschaft.

Über 700 Kompetenzen im Lehrplan 21
Laut einer Analyse der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW werden im Lehrplan 21 über 700 Kompetenzen vermittelt, die im Zusammenhang mit Gesundheit stehen: Ernährung, Bewegung, psychische Gesundheit, soziale Medien, Sexualität, Umgang mit Sucht oder Gewalt werden in der Schule behandelt. Die Schülerinnen und Schüler lernen im Verlauf ihrer Laufbahn, Konflikte zu lösen; sie lernen, im Internet nach Informationen zu suchen, sie zu verstehen, einzuordnen und darauf Entscheide zu fällen und schärfen so ihre Gesundheitskompetenz. Sie lernen, gesundheitliche Risiken einzuschätzen oder die Gefahr für Unfälle zu erkennen. Kurzum: Bildung stärkt gesundheitsförderliches Verhalten.

Wichtig ist auch, dass positive Erlebnisse in Zusammenhang mit Bewegung im Turnunterricht gemacht werden. Dies erhöht die Chance, dass eine Person später im Leben weiterhin aktiv Sport treibt und dies senkt wiederum das Risiko von Übergewicht. Eine aktuelle Studie des Robert Koch-Instituts zeigt, wie Bildung, Einkommen und Gesundheit verknüpft sind: In Deutschland sind lediglich elf Prozent der Kinder aus Familien mit hohen Einkommen sportlich inaktiv, bei Kindern von Eltern mit geringem Einkommen treiben hingegen 28 Prozent keinen Sport.  

Die Verbindung von Bildung und Gesundheit wirkt nicht nur stark, sondern auch langfristig. Was Schülerinnen und Schüler lernen, das bleibt ihnen oft ein Leben lang. Das gelernte gesundheitsförderliche oder gesundheitsschädigende Verhalten hält oft bis ins Seniorenalter an. Und die Verbindung wirkt über verschiedene gesellschaftliche Strukturen hinweg, denn interessant ist, dass der Effekt von Bildung und Gesundheit in allen europäischen Ländern zu beobachten ist. Auch in den nordischen Ländern wie Schweden oder Finnland, an denen sich die hiesigen Schulsysteme oft orientieren, leben Menschen mit höherer Bildung länger.

Wichtig ist jedoch nicht nur, was die Kinder lernen, sondern auch wie und wo. Deshalb liegt der Fokus einer gesundheitsförderlichen Schule auch auf einer angenehmen Lern- und Lehratmosphäre. Dazu gehören die Lehrpersonengesundheit und das Schulhaus, insbesondere etwa das Schulzimmer. Eine BAG-Studie hat gezeigt, dass in rund zwei Dritteln der Schulen die Luftqualität ungenügend ist. Ist die Raumluftqualität schlecht, wirkt sich das auf die Konzentrationsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler aus: Sie fühlen sich müde oder haben Kopfschmerzen. Ihre Leistungsfähigkeit lässt nach. Mit systematischem und effizientem Fensterlüften kann die Luft im Schulzimmer rasch verbessert werden. Ein weiterer Punkt ist die Ernährung, denn eine ausgewogene Ernährung (zum Beispiel am Mittagstisch) unterstützt die geistige und körperliche Leistungsfähigkeit.

Mittlerweile gibt es in der Schweiz eine Vielzahl an Angeboten im Bereich Gesundheitsförderung und Prävention mit dem Ziel, Schulen gesundheitsförderlich zu machen. Es gibt viele Akteure und viele Projekte. Schulleiterinnen und Schulleiter, die oft für das Thema zuständig sind, sprechen gut auf Beratung und Fortbildung in diesem Bereich an und sind interessiert, sich des Themas anzunehmen. Allerdings ist es oft nicht einfach, sich einen Überblick über die verschiedenen Angebote zu verschaffen. Die Qualität der Angebote ist unterschiedlich und die Wirksamkeit in der Praxis mancher Programme ist ungenügend belegt und evaluiert.

Entscheidend ist hier, dass sich diese Angebote am Lehrplan orientieren. Welche Bedürfnisse haben die Lehrpersonen und die Schülerinnen und Schüler? Welche Ziele sind in den nationalen Lehrplänen verankert? Wenn sich die Angebote nicht an diesen Rahmenbedingungen orientieren, werden sie nicht nachhaltig sein. Insbesondere in stressigen Phasen, in denen die Zeit in den Schulen knapp wird, besteht die Gefahr, dass Gesundheitsförderungs- und Präventionsprojekte, die nicht genau auf die Bedürfnisse der Schule zugeschnitten sind, als Erstes zurückgestellt werden. Was also tun? Hilfreich sind hier die Vorgaben und Angebote von kantonalen Fachstellen. Sie geben den Schulen Orientierungshilfen und Informationen darüber, welche Projekte funktionieren und wie.

Das BAG engagiert sich seit über 20 Jahren für Gesundheitsförderung und Prävention in Schulen. Das BAG ist unter anderem eine Trägerin der Netzwerkplattform bildung+gesundheit Netzwerk Schweiz. Dabei handelt es sich um ein nationales Netzwerk, das sich für die Implementierung von Prävention und Gesundheitsförderung im schulischen Kontext sowie die Zusammenarbeit und Koordination der verschiedenen Akteure einsetzt. Andere Themen, die je nachdem auch im Schulsetting eine Rolle spielen, sind Alkohol, Tabak, Cannabis und sexuelle Gesundheit.

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Kontakt

Dagmar Costantini
Sektion Öffentliche Gesundheit
 

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