24.06.2019 Gesundheit von Säuglingen und Kleinkindern in der Schweiz

Studie. Die Grundlagen für ein gesundes Leben werden schon während der Schwangerschaft und der frühen Kindheit gelegt. Die aktuelle Forschung zeigt deutlich: Die frühe Kindheit ist für die Entstehung, aber auch für die Verhinderung von Krankheiten bedeutsam. Eine neue BAG-Übersichtstudie zeigt, welchen Belastungen Säuglinge und Kleinkinder ausgesetzt sind.

Bildstrecke Gesundheit von Säuglingen und Kleinkindern in der Schweiz

TODO CHRISTIAN

Die Familie stellt in den ersten Lebensjahren das entscheidende soziale Bezugssystem dar. So haben Kinder, die in belasteten Familien aufwachsen, erhöhte Risiken für eine beeinträchtigte Gesundheit und Entwicklung. Gesundheitsförderung und Prävention in der frühen Kindheit zielen darauf ab, übermässige Stressbelastung des Kindes zu verhindern. Eltern mit psychischen Erkrankungen, Suchtproblemen oder von Armut Betroffene sollen deshalb frühzeitig erkannt und unterstützt werden.

Studie zum Gesundheitszustand und familiäre Belastungen
Ein erster Schritt besteht darin, das Wissen zur familiären Situation und zum Gesundheitszustand der rund 350'000 Kinder im Alter von 0-4 Jahren zusammenzutragen. Um eine Übersicht zu erhalten sowie elterliche Risiken und Einflussfaktoren zu identifizieren, hat das BAG eine Studie in Auftrag gegeben. Diese stellt verschiedene Berechnungen an: Sie schätzt die Krankheitslast und den Anteil von belasteten Familien mit Kleinkindern. Die Studie identifiziert weiter erprobte Präventionsprojekte, mit welchen Familien in vulnerablen Situation erreicht werden können.

Lückenhafte Daten
Insgesamt lässt sich sagen, dass die Datenlage lückenhaft ist. Es fehlen Daten und Indikatoren zur Beschreibung des Gesundheitszustands dieser Altersgruppe, es fehlen Daten zur Elternschaft (d.h. es wird nicht abgefragt, ob diese Personen Eltern sind) und zur elterlichen Gesundheitskompetenz. Ebenso fehlt ein spezifisches «minimal set of indicators» für ein Gesundheitsmonitoring von Kleinkindern in der Schweiz.

Krankheitslast
Angeborene oder im ersten Lebensmonat erworbene Krankheiten und Fehlbildungen (neonatale Störungen und kongenitale Fehlbildungen) sowie Unfälle stellen in dieser Altersgruppe die höchste Krankheitslast dar. Neonatale Störungen sind die häufigste Ursache für frühzeitige Todesfälle und krankheitsbedingte Einschränkungen. Auffällig sind die Anzahl Unfälle und ernährungsbedingte Mangelerscheinungen, beides in hohem Masse vermeidbare Umstände.

Vulnerable Familien in der Schweiz
Armut, von Sucht betroffene Eltern(teile) und häusliche Gewalt können das Kindswohl reduzieren oder gefährden. Die Studienautoren schätzen:

•    dass in der Schweiz rund 46000 Kinder im Alter 0-4 Jahre leben, deren Eltern von Armut betroffen sind (das entspricht 13 Prozent aller Kinder in dieser Altersgruppe),
•    dass in der Schweiz rund 9000 Kinder leben, deren Eltern missbräuchlich Alkohol konsumieren,
•    und dass in der Schweiz rund 11500 Kinder leben, die Gewalt erfahren haben.

Es muss bei diesen Zahlen von einer sehr hohen Dunkelziffer ausgegangen werden.

Mit welchen Angeboten werden diese Familien erreicht?
Die Studie enthält eine umfassende Zusammenstellung von Projekten zur Erreichbarkeit von vulnerablen Familien. Die Angebote sind vielfältig: Projekte der frühen Förderung, niederschwellige Elternbildung zu Gesundheit und Erziehung, Informationsvermittlung durch Hausbesuchsprogramme und Netzwerke für Fachpersonen. Alle Angebote weisen einen positiven Effekt auf das Kind und/oder die Eltern auf. Erfolgsfaktoren werden bei aufsuchenden Angeboten sowie bei der Vernetzung von Fachpersonen und der Projekte identifiziert. Vernetzung ist zentral, da vulnerable Familien oft mehreren Zielgruppen angehören und verschiedene Bedürfnisse haben. Was fehlt, ist eine umfassende Übersicht über die Angebote, beispielsweise eine nationale Plattform oder Datenbank.  

Das weitere Vorgehen
Am 12. November 2019 findet im BAG eine Tagung statt. An dieser werden die Erfolgsfaktoren und Massnahmen zur Erreichbarkeit belasteter Familien präsentiert und diskutiert.

Links

Kontakt

Andrea Poffet 

Abteilung Prävention nichtübertragbarer Krankheiten
Sektion Wissenschaftliche Grundlagen

Nach oben