10.09.2019 Mobilität bei Kindern und Jugendlichen: mehr ÖV, weniger Velo

Studie. Sind Kinder und Jugendliche zu Fuss oder mit dem Velo unterwegs, fördert das ihre Gesundheit. Doch wie sind sie tatsächlich unterwegs? Eine gemeinsame Studie von ASTRA, BAG und BASPO untersucht die Mobilitätsmuster von Kindern und Jugendlichen.

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In den letzten zwanzig Jahren hat sich die Art und Weise, wie Kinder und Jugendliche unterwegs sind, teils markant verändert. Das Velo hat als Fortbewegungsmittel bei Jugendlichen stark eingebüsst. Lieber gehen Jugendliche zu Fuss oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln (ÖV).

6- bis 12-jährige: wenig Veränderung über die Zeit
Das Mobilitätsverhalten von 6- bis 12-jährigen Kindern hat sich in den letzten 20 Jahren kaum verändert. Mehr als die Hälfte ihrer Alltagswege legen sie zu Fuss zurück, 10 Prozent mit dem Velo. Der Anteil der Elterntaxis auf Schulwegen ist nur punktuell ein Problem und unterscheidet sich deutlich zwischen der Romandie und der Deutschschweiz (27 Prozent vs. 8 Prozent bei 6-7-Jährigen). Dass die grosse Mehrheit der Kinder die Schulwege zu Fuss oder mit dem Velo zurücklegt, liegt auch an den kurzen Wegen in die Primarschule: zwei von drei Schulwegen sind kürzer als ein Kilometer.

13- bis 15-Jährige: Veloanteil stabilisiert sich nach Rückgang
13- bis 15-jährige Kinder legen rund ein Drittel ihrer Wege zu Fuss zurück. Für fast jeden 5. Weg nutzen sie das Velo. Nachdem der Velofahrer-Anteil in dieser Altersgruppe seit 1994 stark gesunken ist, hat er 2015 wieder leicht zugenommen. Insgesamt legt diese Altersgruppe mehr als die Hälfte ihrer Alltagswege aktiv zurück.

16- bis 20-Jährige: Vor allem motorisiert unterwegs
Die jungen Erwachsenen legen 30 Prozent ihrer Wege mit dem ÖV zurück, 34 Prozent mit dem Auto oder mit dem Motorrad. Den Autoführerschein erwerben die Jugendlichen später als noch vor 20 Jahren. In dieser Altersgruppe haben sich die Mobilitätsmuster in den vergangenen 20 Jahren am meisten verändert: Jugendliche legen viel mehr Wege mit öffentlichen Verkehrsmitteln (30 Prozent) und zu Fuss (26 Prozent) zurück als 1994. Das Velo nutzen nur noch 6 Prozent dieser Altersgruppe.

Dass Jugendliche und junge Erwachsene ihr Mobilitätsverhalten grundlegend geändert haben, erklärt der Studienautor Daniel Sauter vor allem mit der zunehmenden Distanz der Ausbildungswege. Für die grösseren Distanzen steigen Jugendliche oft auf den ÖV um. Wer für den Schulweg ein ÖV-Abo hat, nutzt es auch in Freizeit. Während das Image des Velos bei den Jugendlichen leidet, sind Jugendliche dem ÖV gegenüber positiv eingestellt: im Bus oder im Zug können sie sich unterhalten oder im Internet surfen. Die Zunahme der ÖV-Nutzung führt dazu, dass die Wege von und zur Haltestelle häufig zu Fuss gemacht werden.

Grosse Unterschiede in den Sprachregionen
Die Mobilitätsmuster der Kinder und Jugendlichen unterscheiden sich stark nach den Sprachregionen. So ist beispielsweise der Veloanteil in der Romandie und im Tessin bedeutend kleiner als in der Deutschschweiz. Im Tessin ist der Anteil des motorisierten Individualverkehrs deutlich höher als in den andern Sprachregionen, der Anteil an ÖV-Fahrten dafür deutlich geringer.

Aktive Mobilität fördert Gesundheit
Die WHO und das Netzwerk hepa.ch (Health-Enhancing Physical Activity) des Bundesamtes für Sport empfehlen für Kinder mindestens 60 Minuten körperliche Bewegung pro Tag. Die Studie zeigt: Ein Viertel der Kinder und Jugendlichen ist zwischen 30 Minuten und einer Stunde aktiv unterwegs. Etwa die Hälfte aller Kinder und Jugendlichen waren aber am Stichtag gar nicht oder unter 30 Minuten aktiv unterwegs. Im Durchschnitt deckt die aktive Mobilität (Fuss, Velo) damit rund 20 Prozent der Bewegungsempfehlung ab. In der Studie wurde auch der Zusammenhang zwischen dem Body-Mass-Index und der Mobilität untersucht, allerdings mit uneinheitlichen Ergebnissen.

Einfluss auf die Wahl des Verkehrsmittels
Entscheidenden Einfluss auf die Verkehrsmittelwahl haben das Vorhandensein und die Qualität der Veloabstellplätze, die Verfügbarkeit über ein ÖV-Abonnement sowie die Anzahl Autos im Haushalt.

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Kontakt

Andrea Poffet
Abteilung Prävention nichtübertragbarer Krankheiten
Sektion Wissenschaftliche Grundlagen

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