09.09.2019 Neuer Bericht zum problematischen Gebrauch psychoaktiver Medikamente

Schmerzmittel. Schlaf- und Beruhigungsmittel oder opioidhaltige Schmerzmittel können abhängig machen. Ein neuer Bericht zeigt den problematischen Gebrauch psychoaktiver Medikamente in der Schweiz.

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Im Auftrag des BAG hat Ecoplan den Bericht "Auslegeordnung zum problematischen Gebrauch psychoaktiver Medikamente" verfasst. Er fokussiert auf das Risikoverhalten im Umgang mit psychoaktiven Medikamenten und Medikamentenabhängigkeit.

Zu den relevantesten psychoaktiven Medikamenten mit Abhängigkeitspotenzial gehören

•    opioidhaltige Schmerz- und Hustenmittel sowie
•    Schlaf- und Beruhigungsmittel (z.B. Benzodiazepine).

Im Bericht wird die aktuelle Situation in der Schweiz analysiert und ein möglicher Handlungsbedarf abgeleitet. Aufgrund der Literaturanalyse und der durchgeführten Experteninterviews zeigen sich folgende Hauptproblemfelder:
•    Konsum von Schlaf- und Beruhigungsmitteln durch Menschen ab 60 Jahren
Relativ häufig sind ältere Menschen von problematischem Medikamentengebrauch betroffen. Selbst bei kleinen Dosen kann sich bei einer Einnahmedauer von mehr als zwei Wochen bereits eine sogenannte Abhängigkeit im Niedrigdosisbereich bilden. Setzen die Betroffenen das Medikament ab, leiden sie an Entzugserscheinungen.
•    Konsum opioidhaltiger Schmerzmittel durch chronische Schmerzpatienten
Zwischen 2006 und 2013 hat sich die Einnahme von starken Opioiden mehr als verdoppelt. 80 % der starken Opioide werden für die Behandlung nicht-krebsassoziierter, chronischer Schmerzen verwendet. Dies obwohl in diesen Fällen unklar ist, inwiefern starke Opioide die Schmerzkontrolle effektiv verbessern.

Der Bericht zeigt, dass Expertinnen und Experten einen Handlungsbedarf feststellen. Mit Blick auf die Hauptproblemfelder empfiehlt Ecoplan,
•    ältere Menschen und Gesundheitsfachpersonen in der Grundversorgung sowie in Pflegeheimen und Spitex-Organisationen für die Gefahren der Benzodiazepinabhängigkeit im Niedrigdosisbereich zu sensibilisieren, und
•    Studien zur Verschreibungspraxis bei Benzodiazepinen und opioidhaltigen Schmerzmitteln durchzuführen.

Der Handlungsbedarf und die Handlungsempfehlungen werden nun intern diskutiert und mögliche weitere Studien abgeleitet.

Kontakt

Tanja Iff
Abteilung Prävention nichtübertragbarer Krankheiten
Sektion Präventionsstrategien

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