21.01.2020 Suchtmittelkonsum bei Schülerinnen und Schülern

Studie. Konsumieren Schülerinnen und Schüler Alkohol, Tabak und andere psychoaktive Substanzen, kann dies ihre Gesundheit kurz- oder langfristig negativ beeinflussen. Die Schülerstudie HBSC zeigt regelmässig auf, ob und wie Jugendliche Suchtmittel konsumieren. Sie zeigt auch: Nicht alle Schülerinnen und Schüler greifen mit gleicher Wahrscheinlichkeit zu Suchtmitteln.

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TODO CHRISTIAN

Wenn die Eltern gut über das Leben der Kinder im Bilde sind, konsumieren diese weniger Suchtmittel.

Jugendliche sind neugierig, wollen Neues ausprobieren und Erfahrungen sammeln. Daher reizt es viele Schülerinnen und Schüler, Substanzen wie Alkohol, Tabak oder Cannabis auszuprobieren. Das Experimentieren mit Substanzen wirkt sich allerdings oft negativ auf die Gesundheit aus. Das Gehirn von Jugendlichen im Wachstum ist besonders anfällig für Schäden, die durch den Konsum von Suchtmitteln verursacht werden. Bei einigen Schülerinnen und Schülern bleibt es nicht beim Experimentieren – sie beginnen, regelmässig zu konsumieren. Die Schweizerische Schülerinnen- und Schülerbefragung HBSC liefert alle vier Jahre Daten darüber, wie 11- bis 15-Jährige in der Schweiz Suchtmittel konsumieren.

Alkohol: Rauschtrinken ist bei 15-Jährigen verbreitet
Je älter die Schülerinnen und Schüler sind, desto eher haben sie bereits mit Alkohol experimentiert: Während bei den 11-Jährigen 22 Prozent der Jungen und 11 Prozent der Mädchen schon Alkohol probiert haben, sind es bei den 15-Jährigen um die 70 Prozent. Auch regelmässiger Konsum ist vor allem bei älteren Schülerinnen und Schülern ein Thema: Bei den 15-Jährigen trinken 11 Prozent der Jungen und 4 Prozent der Mädchen mindestens wöchentlich Alkohol. Etwa ein Viertel der 15-Jährigen hat sich im Monat vor der Befragung in einen Rausch getrunken. Woher also bekommen die 15-Jährigen Alkohol? 2018 haben 80 Prozent der 15-Jährigen diesen mindestens einmal von bekannten Drittpersonen erhalten.

E-Zigaretten: Dampfen reizt Schülerinnen und Schüler
Die Hälfte der 15-jährigen Jungen und etwas mehr als ein Drittel der gleichaltrigen Mädchen haben mindestens einmal eine E-Zigarette ausprobiert. Im gleichen Alter haben 35 Prozent der Jungen und 30 Prozent der Mädchen schon herkömmliche Zigaretten geraucht. Die Zahlen zeigen: Schülerinnen und Schüler versuchen eher E-Zigaretten als herkömmliche Zigaretten. Viele Fachleute sehen E-Zigaretten als Einstiegsprodukt, das bei Jugendlichen eine Nikotinabhängigkeit fördert. Sie plädieren daher dafür, dass E-Zigaretten zukünftig nicht mehr an Minderjährige abgegeben werden dürfen.

Knapp 10 Prozent der 15-jährigen Jungen und fast 8 Prozent der gleichaltrigen Mädchen rauchen mindestens wöchentlich herkömmliche Zigaretten, je rund die Hälfte von ihnen rauchen täglich. Trotz Verkaufsverbot in den meisten Kantonen kaufte sich 2018 knapp die Hälfte der 15-Jährigen, die im Monat vor der Befragung rauchten, die Zigaretten mindestens einmal selber.
Mit illegalem Cannabis experimentierten bereits 27 Prozent der 15-jährigen Jungen und 17 Prozent der gleichaltrigen Mädchen. 8 Prozent der 15-jährigen Jungen und 4 Prozent der gleichaltrigen Mädchen haben im letzten Monat vor der Befragung mindestens dreimal Cannabis konsumiert.

Eltern haben Potenzial für Suchtprävention
Die Wahrscheinlichkeit, dass Schülerinnen und Schüler risikoreich Suchtmittel konsumieren, ist nicht bei allen gleich gross. Es gibt Faktoren, die sie womöglich vor risikoreichem Suchtmittelkonsum schützen, und andere, die ein Risikoverhalten potenziell fördern. Die Schülerstudie bildet einen Teil der verschiedenen Risiko- und Schutzfaktoren ab. Ein wichtiger Schutzfaktor ist das «elterliche Bescheidwissen»: Geben die befragten Schülerinnen und Schüler an, dass ihre Eltern gut über ihr Leben im Bilde sind, konsumieren sie seltener Suchtmittel, als wenn sie denken, dass ihre Eltern ihre Freizeitaktivitäten und ihren Umgang nur mässig kennen.

Auch die empfundene Unterstützung durch die Familie hat vermutlich einen schützenden Effekt, wohingegen es punkto risikoreichem Substanzkonsum weniger zählt, ob sich die Schülerinnen und Schüler von ihrem Freundeskreis unterstützt fühlen. Weitere Faktoren, die ein risikoreiches Konsumverhalten wahrscheinlich fördern, sind zu wenig Schlaf vor Schultagen, ein als nicht gut empfundener Gesundheitszustand oder Schulstress. Sind die Jugendlichen mit ihrem Leben unzufrieden, greifen sie eher zu Suchtmitteln, als wenn sie eine hohe Lebenszufriedenheit haben.

Kontakt

Andrea Poffet
Sektion Wissenschaftliche Grundlagen

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